Depression für Anfänger

Die deutlich überwiegende psychische Erkrankung in der Altersgruppe 15-44 ist die Depression. Aber was ist eigentlich eine Depression?
Nicht alles, was der Volksmund und schlecht informierte Ärzte so bezeichnen (und schnell mit Pillen kurieren wollen) ist auch eine. Das heißt aber andererseits auch nicht, dass die weniger gravierenden depressiven Verstimmungen auf die leichte Schulter genommen werden können, denn schließlich soll ja auch keine echte Depression draus werden.

Hier ein kleiner Überblick über die Thematik:

Jeder ist mal schlecht drauf. Schon deswegen, weil im Leben nicht immer alles glatt läuft. Verluste, Enttäuschungen, Schmerzen z.B. ziehen einfach die Stimmung runter. Aber wer psychisch gesund ist, rappelt sich dann wieder auf.

Eine depressive Störung im medizinischen Sinn liegt erst vor, wenn ein bestimmtes Ausmaß an Symptomen mindestens zwei Wochen lang die Stimmung beherrscht. Die Hauptsymptome sind dabei:

Wenn Sie mindestens zwei dieser Symptome mindestens zwei Wochen lang bemerken, ist es für den Betroffenen notwendig, einen Arzt aufzusuchen.

Und es gibt keinen Grund, dabei zu zögern, oder gar, sich zu

Laut Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medi­zi­ni­schen Fachgesellschaften (AWMF).

schämen. Mehr als 10 % der Gesamt­be­völ­ke­rung leiden gleichzeitig an depressiven Störungen, das sind 8 Millionen in Deutschland. Wer eine Depression hat, ist nicht allein, ist kein Versager.

Schweregrade

Depressionen können verschieden stark ausgeprägt sein. Das beginnt bei der leichten Depression, wo der Betroffene in seiner beruflichen und sozialen Umgebung noch "funktioniert", sich aber nur freudlos durch die Tage schleppt, und geht bis zu schweren Depressionen, bei denen der Patient praktisch Pflegefall ist. Aber unabhängig vom Schweregrad: Leiden sollte behandelt werden.

Ursachen

Das Gehirn ist trotz seiner besonderen Bedeutung ein biologisches Organ und kann deshalb auf vielfältige Weise in seiner Funktion gestört werden.

Eine Depression kann z.B. die Begleiterscheinung einer organischen Krankheit sein. Das geht von Fehlernährung, über Vitaminmangel, Stoffwechselstörungen, gestörter Darmflora, Schilddrüsen- und Herzkrankheiten bis hin zu Krebs. Eine der ersten Fragen eines guten Therapeuten ist darum die nach bekannten Krankheiten, der letzten Vorsorgeuntersuchung und deren Ergebnisse.

Weitere Auslöser können sein längerer Stress, Ängste, Schicksals­schläge … Darum muss ein guter Therapeut umfassend nach der aktuellen Lebenssituation fragen, nach der Dauer der Depression und nach besonderen Ereignissen in den Monaten vor ihrem Beginn. Und nach Kindheitserinnerungen, denn diese können die Verletz­lich­keit erhöhen.

Dann gibt es noch die Depressionen, bei denen man (angeblich) keinen Auslöser finden kann. Dafür hatte man bisher die Erklärung, dass dem ein Defizit am Neurotransmitter Serotonin zu Grunde liegt. Aber inzwischen bahnt sich die Erkenntnis an, dass da nichts

Psychologie heute 10 / 2016, "Es gibt vieles, was man für Depressive tun kann"

dran ist, sondern dass man in diesen Fällen den Auslöser der Depression nur nicht finden konnte (aus welchen Gründen auch immer, wobei sicher nicht selten Faulheit oder Unfähigkeit des Arztes dahinter steckt).

Über genetische Ursachen von Depressionen ist nichts bekannt. Dass depressive Erkrankungen trotzdem in manchen Familien mehr auftreten als in anderen, liegt eher an den unterschiedlichen Lebensstilen, die in den verschiedenen Familien auftreten und durch Erziehung und Vorbild von Eltern an Kinder weitergegeben werden.

Behandlung

Organische Grunderkrankung heilen

Bei einer organisch ausgelöste Depression ist natürlich zu allererst die Grunderkrankung zu behandeln. Die Beseitigung der Ursache ist Voraussetzung für die Beseitigung der Depression.

Begleitend zur medizinischen Behandlung kann – je nach Fall – eine Psychotherapie oder ein Antidepressivum den Betroffenen stützen, bis er wieder gesund ist.

Medikamente

Zu allererst: Medikamente sind Krücken.

Sie können sinnvoll oder sogar notwendig sein, um bei einer schwe­ren Depression den Betroffenen in einen Zustand zu versetzen, in dem er zu einer Psychotherapie fähig ist. Die eigentliche und nachhaltige Heilung schafft (nur) eine Psycho­therapie, die die Ursachen der Depression aufdeckt und beseitigt.

Ohne Psychotherapie gibt es keine Heilung, ohne Psychotherapie machen Pillen den Menschen nur zu einem Zombie mit unechten Gefühlen.

Stimmungsaufhellende Maßnahmen

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die Betroffene selbst nutzen können, um ihre Stimmung etwas zu verbessern. Sie sind auch geeignet, einer Depression vorzubeugen, wenn äußere Belastungen jemanden "herunterziehen".

Zu solchen Maßnahmen fordert auch ein vernünftiger Therapeut seine Klienten immer wieder auf, damit die Genesung schneller voranschreitet.

Psychotherapie

Bei der Psychotherapie forscht der Therapeut nach den Ursachen der Depression, und wie die Persönlichkeit des Klienten damit umging, so dass sie erst zur Depression führten. Beteiligte Einstel­lun­gen und Gefühle des Klienten werden hinterfragt, so dass er sie überdenken und ändern kann, und so aus seiner Hoff­nungs­losigkeit herauskommt. Denn die Welt wird sich für einen einzelnen Menschen nicht ändern, er kann nur anders mit ihr umgehen.

Am besten geeignet zur Behandlung von Depressionen ist die Rational-Emotive Verhaltenstherapie.

Begleiterscheinungen

Suizidrisiko einer Depression

Bei einer Depression besteht grundsätzlich Suizidgefahr, das Risiko liegt bei 20%. Ein Therapeut, der nicht danach fragt, begeht einen Kunstfehler.

Ein Therapeut bemüht sich natürlich in erster Linie, dieses Risiko auszuschalten.

Den optimalen Umgang von Laien mit einem Suizidrisiko habe ich auf einer extra Seite beschrieben.

Falls Sie selbst von einer Depression betroffen sind, bedenken Sie:

In einer Krisensituation ist die eigene Urteilsfähigkeit eingeschränkt. Also treffen Sie keine Entscheidungen, die nicht rückgängig zu machen sind. Und ein erfolgreicher Suizid ist nicht rückgängig zu machen.

Drei Schritte vor und zwei zurück

Schon bei gesunden Menschen ist die Stimmung Schwankungen unterworfen. Mal fühlen sie sich wohl, mal fühlen sie sich mies.

Bei depressiven Menschen ist das nicht anders, nur dass sie sich nicht wohl, sondern nur weniger oder mehr mies fühlen.

Im Lauf einer Therapie bessert sich die Stimmung nach und nach, und fängt irgendwann an, zeitweise den Wohlfühlbereich zu betreten. Aber durch den schwankenden Verlauf verlässt sie ihn auch wieder.

Manche Klienten haben dann Angst vor einem Rückfall.

Aber diese Schwankungen sind normal.

Ausführlich erklärt habe ich diesen Mechanismus auf einer extra Seite.