Informationsquellen bei psychischen Problemen

Die Aussagen gelten sinngemäß auch für gesundheitliche Probleme des Körpers.

Nicht wenige, die bei sich oder Angehörigen psychische Probleme erkennen oder vermuten, möchten sich zu diesem Thema fachlich informieren, z.B. um die Therapie zu unterstützen oder abzukürzen, sich eine Therapie zu "ersparen" (wegen Kosten oder Scham), den Therapeuten zu kontrollieren, besser mit einem Betroffenen umgehen zu können, …

Sich zu informieren ist grundsätzlich immer gut, sofern man die erhaltenen Informationen einstufen und dadurch sinnvoll nutzen kann.

Dazu einige Hinweise:

Bücher

sind problematisch. Hier kann es ohne medizinisches Grundwissen sehr leicht passieren, dass Sie sich in etwas hineinsteigern. Denn Symptome lassen sich immer finden, weil sie auch bei Gesunden zeitweise und/oder in geringem Ausmaß auftreten. Es kommt auf eine Gesamtbeurteilung an. Bei richtigen Fachbüchern steigert sich die Gefahr dadurch, dass Sie zu wenig verstehen. Bei Ratgeber­büchern wiederum sind zu viele von Scharlatanen auf dem Markt.

Bevor Sie sich als Laie auf ein Buch zu psychologischen Themen einlassen, sollten Sie auf jeden Fall Rezensionen lesen.

Zeitschriften

sind im Allgemeinen so redigiert, dass sie auch von Laien verstanden werden. Ob die Darstellung verantwortungsvoll ist, hängt vom Herausgeber ab.

Psychologie heute, Apothekenrundschau, Zeitschriften von Sozialver­si­che­rungen (Rentenversicherung, Krankenkassen…) sind in Ordnung. Ebenso Spartenartikel in guten Tageszeitungen.

Mitgliederzeitschriften von Selbsthilfegruppen sind in der Regel auch in Ordnung, nur evtl. zu sehr spezialisiert. Allerdings gibt es auch Sektierer, die sich als Selbsthilfegruppen ausgeben; da sollten Sie kritisch prüfen.

Die Artikel in Unterhaltungszeitschriften (Brigitte, Freundin, "Die Frau",…) sind oft zu oberflächlich, um wirkliche Information zu transportieren; sie dienen mehr der Unterhaltung.

Fernsehdokumentationen

haben gegenüber Büchern den Vorteil, dass der Zuschauer geführt wird, und dadurch kaum Gelegenheit hat, in ängstliches Grübeln zu verfallen. Sendungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens sehe ich als völlig unproblematisch an. Bei Privatsendern besteht eine erhebliche Gefahr, dass die Qualität der Inhalte gegen Null geht oder sogar schadet, denn denen geht es um Quote; da bringen reißerische Darstellungen mehr, als sachliche Information.

Öffentliche Vorträge

Wenn sie von lokalen Ärzten oder wenigstens Mitarbeitern medizi­ni­scher Institutionen gehalten werden, sind sie unproblematisch. Sie führen wie die Fernsehdokumentationen durch das Thema und man kann zusätzlich sogar Fragen stellen.

Vor Heilpraktikern und reisenden Medizin-Gurus ist dringend zu warnen. Ihre Vorträge dienen in der Regel dem Vertrauensaufbau zwecks Kundenfang, also dem Geschäft. Sachlich korrekte Information ist von ihnen nicht zu erwarten. Ich weiß neben mir nur von fünf Heilpraktikern für Psychotherapie, die sich bemühen, Qualität wie ein Psychologischer Psychotherapeut zu liefern, kann aber jede Menge Scharlatane benennen.

Internet

Hochgefährlich. Hier kann jeder Spinner oder Scharlatan seine Wahnideen oder Lügen verbreiten. Und ein Laie geht dem allzu leicht auf den Leim.

Brauchbar können sein Beiträge von öffentlich-rechtlichen Institu­tionen (Fernsehen, wissenschaftliche Institute, aber wirklich nur öffentlich-rechtliche) bzw. Mitschnitte von deren Sendungen. Bei allem anderen: Hirn einschalten.
Wenn eine Seite einen Shop enthält, kann man grundsätzlich davon ausgehen, dass die Inhalte der Absatzförderung dienen und dabei die Seriosität fehlt.